17. Kapitel

Die wichtigste Quelle

Chronik der Familie Kummrow

Vorwort


"Seit dem Jahre 1890 amtiert der Schreiber dieser Chronik in dem Dörfchen Zwielipp, Kreis Kolberg-Körlin in Pommern. Ich fühlte mich wohl unter den alteingesessenen Bauernfamilien. Die Abgeschlossenheit der Lage dieses Dorfes hat hier die gute alte Zucht und Sitte, die Liebe zu Haus und Hof, zu Heimat und Familie erhalten. Als Geschichtsfreund forschte ich bald , daß die meisten Familien schon seit Jahrhunderten im Dorfe heimisch waren. Leider reicht die wichtigste Quelle der Dorf- und Familiengeschichte nur bis 1787, denn in diesem Jahre sind alle alten Dorfurkunden, namentlich das Kirchenbuch, durch eine Feuersbrunst vernichtet worden. Wer aber sucht, der findet. Und so gelang es mir allmählich, noch andere Quellen zu entdecken. Beim hiesigen Amtsvorsteher wurden bis vor kurzem alte Urkunden des Amtes Altstadt Kolberg, zu dem Zwielipp früher gehörte, aufbewahrt. Diese habe ich gut für die Geschichte des Dorfes ausgenützt. Durch diese Studien veranlaßt, begann ich, für einzelne Familien Familienchroniken zu verfassen, die hier und da das Interesse erregten. Im Jahre 1906 war mir die Verwaltung der hiesigen Kirchenbücher, die 1787 beginnen, übertragen worden. Diese Gelegenheit habe ich gut ausgenützt und von sämtlichen meiner Zwielipper Bauernfamilien die Stamm- und Ahnentafeln ausgearbeitet. Zu diesen alten Familien unseres Dorfes gehört auch die Familie Kummrow.

Die Familiensage berichtet, daß der Ahnherr der Kummrows etwa 1750 durch Zwang, ohne daß er (es) wollte, auf den Hof als Bauer gesetzt wurde. Dieser Ahne soll aus dem etwa zwölf Kilometer entfernten Dorfe Alt Quetzin stammen. Die erste Urkunde, die nachweist, daß die Kummrows in Zwielipp ansässig waren, habe ich im Zerniner Kirchenbuch gefunden. In dem siebenjährigen Kriege flüchtete der Zerniner Pastor, dem die Russen die ganze Pfarrei verbrannten, von dort nach Zwielipp, wo gerade zu der Zeit eine Vakanz war und (er) verwaltete von 1762 bis 1772 beide Pfarreien gemeinsam. In dem Zerniner Konfirmanden-Register finden wir verzeichnet aus Zwielipp:
1765 David Kummrow, Peter Kummrow, Sohn eingesegnet,
1766 Martin Kummrow, Friedrich Kummrow, Sohn eingesegnet.

Beim meinem Studium des Zwielipper Kirchenbuches fand ich laut desselben in Zwielipp wohnhaft 1787 folgende Personen namens Kummrow:

1. Anna Catharina Kummrow, Frau des Soldaten Erdmann Milleg, Zwielipp.
2. Anna Catharina Kummrow, Frau des Bauern Erdmann Ponick, Zwielipp.
3. Peter Kummrow I, Bauer in Zwielipp.
4. Peter Kummrow II, Bauer in Zwielipp.
5. Peter Kummrow, Instmann (Arbeiter) in Zwielipp.
6. Martin Kummrow, Instmann in Zwielipp.
7. Gottfried Kummrow, Knecht in Zwielipp aus Alt-Quetzin.
8. Anna Catharina Kummrow, Ehefrau des Instmanns Peter Kummrow, Zwielipp.
9. ......... Kummrow, Soldat, Ehefrau Dorothea Marie Marten.

Der urkundlich nachweisbare Ahnherr der Familie ist laut Zwielipper Kirchenbuch ein Peter Kummrow I. Er ist 1803 im Alter von über 80 Jahren gestorben, demnach etwa 1720 geboren. Es sind also fast 200 Jahre , die wir die Familie Kummrow zurückverfolgen können. In Alt-Quetzin sind sie noch weiter verzeichnet. Dort wie in Zwielipp waren es schlichte, einfache Landleute gewesen und sind es zur Zeit heute noch, sie gehörten und gehören dem ehrbaren Bauernstande an, Leuten, die im (Schweiße) ihres Angesichts ihr Brot in Ehr und Zucht gegessen haben, mit treuem Fleiß den Kreis ausfüllend, den Gott ihnen zugemessen (hat). Bei einer Familienfeier im Jahre 1896 sagte mir ein auswärtiges Glied der Familie, daß Angehörige der Familie Kummrow auf allen Bauernhöfen Zwielipps gesessen hätten, daß also alle Zwielipper Kummrows Blut in Ihren Adern hätten. Ich fand dieses Wort durch meine Studien vollauf bestätigt. Es ist das kräftigste Bauerngeschlecht unseres Dorfes gewesen. Von hier sind die so zahlreich vertretenen Glieder der Familie in der ganzen Umgegend von Kolberg verstreut. Die bedeutendste Persönlichkeit unter ihnen war aber der Bauer Christian Kummrow, von dem im Kapitel III. die Rede sein wird. Neuerdings ist die Familie über ihren Heimatkreis und (über die) Provinz hinaus verbreitet. Sie zeigen, daß sie nicht nur Gutes als Landleute leisten, sondern auch tüchtige Beamte, Lehrer und selbst Gelehrte werden können.

In der Gegenwart dringt in unserm deutschen Vaterlande der Sinn für Familiengeschichte in immer weitere Kreise. Mehr als früher bemühen sich viele Deutsche, die Namen, Taten und Erlebnisse ihrer Väter der Nachwelt zu überliefern. Das ist recht so, lobt dies(es) Tun doch der größte deutsche Dichter Goethe mit den Worten:

Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt,
der froh von ihren Taten, Ihrer Größe
den Hörer unterhält und still sich freuend,
am Ende dieser schönen Kette sich geschlossen sieht.

Diesem schönen Zwecke, den Familiensinn zu pflegen und zu fördern soll auch diese Chronik dienen. Mit dem Wunsche, daß das Geschlecht der Kummrows weiter blühen und wachsen möge, schließt alle herzlichst grüßend"

Zwielipp, den 9. Juni 1909
gez. Ferdinand Asmus, Lehrer.

Die Familienheimat

Als Heimat der Familie Kummrow haben wir die Dörfer Zwielipp (und) Quetzin anzusehen. Beide liegen im Kreise Kolberg-Körlin, der ein Teil des früheren Bistums Kammin ist. In diesem Bistum war im 13. Jahrhundert das Nonnenkloster Altstadt Kolberg gegründet (worden). Diese(m) gehörten unsere beiden Dörfer. Bis unter dem Könige Friedrich Wilhelm I. der Staat alle Klostergerechtsame übernahm, wurden die Klosterdörfer in ein Königl.(iches) Domänenamt verwandelt. Aus den alten Domänenakten, die ich einzusehen das Glück hatte, ergab sich mancher Blick in die vergangene Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Domänenbauern befanden sich in viel, viel besserer Lage als ihre Genossen auf den Gutshöfen und Gutsdörfern, welche Leibeigene waren. Jene konnten ihre Höfe ruhig auf ihre Höfe (sicher ein Schreibfehler: gemeint sein dürfte Söhne) vererben. Das heißt, aber nur dann, wenn sie ihre Schuldigkeit taten, ihren Acker gut bestellten und ihre Steuern pünktlich bezahlten. Waren sie dagegen träge, wirtschafteten sie liederlich, so wurden auch die Domänenbauern ihres Hofes entsetzt und derselbe einem neuen, besseren Wirte gegeben. Da ist es also leicht möglich, daß die Kummrows in dieser Weise auf einen Hof in Zwielipp gesetzt wurden, denn der Amtmann konnte nur Bauern aus seinen Amtsdörfern mit einem Hof in ihrem Amtsbezirk belohnen.

Kapitel I
Peter Kummrow I. (1722 bis 1803)

Der erste urkundlich beglaubigte Ahnherr der Familie Kummrow ist der Bauer Peter Kummrow (I.). Von ihm berichtet das Zwielipper Kirchenbuch, daß er 1803 "vor Alter und Schwachheit" gestorben sei. Da er ein Alter von 81 Jahren erreicht hat, so ist er etwa im Jahre 1722 geboren. Ob seine Wiege in Alt Quetzin stand, kann nicht mir Bestimmtheit erwiesen werden, trotzdem dorthin ihn die Lage weist. In diesem Dorfe wohnen noch heute Namensvettern, die ihre Ahnen bis 1667 hinauf verfolgen können. Soweit reicht nämlich das Kirchenbuch der Parochie Rützow, Kreis Kolberg, zu der Quetzin eingepfarrt ist. Die Urkunde des Zerniner Kirchenbuches beweist, daß Peter Kummrow I. 1764 einen Zwielippschen Bauernhof besaß. Über seine Frau und Kinder habe ich nichts Genaueres - abgerechnet den Nachfolger - erkunden können. Es ist möglich, daß die auf Seite 2 der Chronik genannte Anna Catharina Kummrow seine Tochter gewesen ist. In seine Zeit fällt der Russenkrieg 1758-69, der auf dem Dörfchen Zwielipp böse Zeiten brachte. Die alten Amtsakten erzählen oft von der Not der Bauern, denen die Russen das Vieh wegnahmen, ihre Saaten verwüsteten, ihr Getreide weggeführt hätten und anderes mehr. Mehrere alte Familien mußten von ihren Höfen weichen, weil sie vor Not, Elend und Alter nicht mehr imstande waren, ihr Vätererbe zu bewirtschaften. Über den Hof Nr. 6, auf dem Peter Kummrow saß, berichten die alten Urkunden nichts. Das ist ein gutes Zeichen, daß derselbe gut gewirtschaftet hat und sich trotz aller Kriegsnöte redlich durchschlug. Kaum waren die Wunden, die der Krieg geschlagen (hatte) vernarbt, als in den Jahren 1772 bis 1774 furchtbare Hungerjahre eintraten. Das Korn verregnete und verfaulte auf dem Felde; und Kartoffeln gab es noch nicht. Rührend ist es zu lesen, wie der Königl.(iche) Amtmann die verarmten Bauern immer und immer wieder durch Darreichung von Saatkorn, Vieh und Ackergeräte unterstützt (hat), um die Besitzer über die Hungerjahre hinweg zu helfen. Trotzdem wechselten noch mehrere Höfe ihre Wirte, weil diese mutlos die Flinte ins Korn warfen. Peter Kummrow gelang es, sich über Wasser zu halten und diese Unglücksjahre zu überwinden und seinem Nachfolger gleichen Namens den Hof zu überliefern. Am 9. November 1787 verheiratete sich dieser (Peter Kummrow II.) mit der Bauerntochter Marie Elisabeth Schwerdtfeger. Der alte Peter sah in seinem Hause drei Enkel und drei Enkelinnen erblühen. In demselben Jahre, in dem sein Enkel Christian Kummrow geboren wurde, starb er alt und lebensfroh am 23. Februar 1803 in Zwielipp, 81 Jahre alt.

Kapitel II
Peter Kummrow II (1764 bis 1842)

Peter Kummrow II ist etwa 1764 geboren - laut Urkunde. Die Jugendzeit verbrachte er im Elternhause, in dem er dem Vater bei der Hütung des Viehs und bei (der) Beackerung des Ackers treulich half, wie es (auf) dem Lande heute noch so Sitte ist. Da in Zwielipp im Winter ab und zu Schule war, so hat unser Peter Kummrow wohl auch ein wenig Lesen und Schreiben gelernt. Als er erwachsen war, erkor er sich aus den Dorfschönen als Ehegattin Maria Elisabeth Schwerdtfeger, Tochter des Bauern Hans Schwerdtfeger und dessen zweiter Ehefrau Anna Pessmer.

Peter Kummrow II war, wie mir sein Enkel Peter Kummrow III öfter erzählte, mittelgroß, korpulent, mit starker, runder Kopfbildung und kräftigem Körperbau. Seine Maria-Elisabeth war dagegen groß und schlank und starkknochig. Die Hochzeit fand am 2. November 1787 statt. Die Eintragung davon ist die erste in unserem Trauregister des alten Kirchenbuches. Der Bräutigam wird darin noch Knecht genannt. So hießen damals die Bauernsöhne, ehe sie den Hof vom Vater übergeben erhielten.

Die Ehe war eine gesegnete; es wurden dem Paar folgende Kinder geboren:

1. Dorothea Sophie, geb. 22. August 1789, getauft 26. August 1789.
2. Friedrich Kummrow, geb. 23. September 1791, getauft 25. September 1791.
3. Peter Kummrow , geb. 26. Juni 1794, getauft 29. Juni 1794.
4. Marie Elisabeth Kummrow, geb. 9. Juni 1796, getauft 12. Juni 1796.
5. Martin Kummrow, geb. 26. Mai 1798, getauft 29. Mai 1798.
6. Anna Catharina Kummrow, geb. 11. Januar 1801, getauft 18. Januar 1801.
7. Christian Kummrow, geb. 7. November 1803, getauft 13. November 1803.
8. Gottfried Kummrow, geb. 17. Oktober 1805, getauft 20. Oktober 1805.
9. Henriette Regine Kummrow, geb. 6. Oktober 1808, getauft 9. Oktober 1808.

Peter Kummrow II wurde vom Amtmann zum Dorfschulzen ernannt. Als solcher amtierte er auch noch in der Franzosenzeit 1806 und 1807. Als er hörte, so erzählte mir sein schon genannter Enkel Peter Kummrow III, daß 1807 die Feinde nahe seien, zog unser Peter sich seine nagelneuen Stiefel an und stellte sich am Eingang seines Hofes auf, um die Heranziehenden als Oberhaupt seines Dorfes würdig zu empfangen. Doch die Franzosen schienen Ihm seine Würde nicht anzusehen. Zwei Soldaten näherten sich ihm. Der eine stieß ihm vor die Brust, daß er auf den Rücken fiel, zog ihm ohne weiteres die schönen Stiefel aus , zog sie sich an und warf dem erschrockenen Schulzen seine gerissenen Schuhe hin. "Ja, ja mein Sohn," pflegte der Alte zu seinem Enkel zu sagen, wenn er dies Erlebnis erzählte, "so geht es im Kriege". Im Jahre 1808 wurde durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III. die Gutsuntertänigkeit der Bauern aufgehoben. Der König erklärte alle Domänen-Einsassen für freie, von allen Folgen der Erbuntertänigkeit unabhängige Menschen und auch entbunden von dem Gesindezwange und Loskaufgelde beim Verziehen. Mit den anderen Zwielipper Bauern wurde auch Peter Kummrow II ein freier Mann auf seiner Scholle. In den Kriegsunruhen von 1813-15 kam auch viel bange Besorgnis in das Kummrowsche Haus, weilten doch auch ein Lehrer und mehrere Verwandte im Feldzuge. Der Sohn Peter Kummrow, siehe Nummer 3 von (der) vorigen Seite, kehrte nicht wieder zurück; er wurde als verschollen aufgezeichnet. Wahrscheinlich hat er dort von der Hand eines Preisschützen seinen Tod gefunden, wie ein anderer Zwielipper Christian Gehrt, und ist in französischer Erde bestattet worden. Welch' ein Schmerz für den Vater, diese Ungewißheit. Doch die Mutter hat es nicht mehr erlebt. Sie starb schon am 2. April 1813 in einem Alter von 46 Jahren. Am Sarge der Dahingeschiedenen trauerte der Vater und die neun meistens noch unversorgten Kinder, und die (davon) drei noch im Alter von 10 bis 5 Jahren. Das war ein harter Schlag für den hinterbliebenen Witwer. Trat er nun nach des Tages Arbeit in sein Haus, wie verlassen mußte er sich vorkommen. Aber nicht das allein, ein Bauernhof konnte ohne eine gut(e) Wirtin nicht bestehen. Dies mußte auch ein Peter Kummrow einsehen. Darum sah er sich zu einer Wiederverheiratung gezwungen. Am 27. Oktober, als die Siegesfreude durchs Land zog und die sieggekrönten Kämpfer heimkehrten, da schloß er die zweite Ehe mit Dorothea Vahl aus Bartin. Diese Frau hat ihn in seiner Wirtschaft redlich unterstützt und seine Kinder zu guten Menschen erzogen. Mit der Befreiung von der Gutsuntertänigkeit war den meisten Bauern ein (An-)Sporn zu angestrengter Tätigkeit gegeben. Sie quälten sich fortan nicht mehr für andere, sie konnten die Früchte ihres Fleißes selbst genießen. Leider war in den Jahren von 1815 bis 1840 nicht viel zu erwerben.

Preußen war durch die Kriege von 1806 bis 1815 fast verarmt. Es gab kein Geld im Lande. Die landwirtschaftlichen Produkte und Vieh waren spottbillig, denn es gab bei uns noch keine Chausseen und Eisenbahnen. Niemand fragte den Bauern: Willst Du auch etwas verkaufen? Da war es noch gut, daß man durch Frachtfuhren für Kolberger Kaufleute etwas verdiente. Im Verein mit seinen Söhnen Friedrich und Christian unternahm unser Peter als Fuhrmann mit den Kaufmannsgütern weite Reisen bis Stettin, Frankfurt/Oder, Neustettin und Stolp. Dadurch lernte man Land und Leute kennen und brachte viel Neues in heimische Dorf. Mittlerweile waren auch die Kinder herangewachsen. Die beiden ältesten Töchter (gemeint ist sicherlich die älteste Tochter, Anm. d. Red.) hatte den Fährkrüger Christian Friedrich Scheiwe geheiratet. Der dritte Sohn wurde Tischler und erwarb sich in Zwielipp ein Büdnergrundstück. Christian Kummrow heiratete die Tochter des Nachbarn namens Dorothea Sophia Rackow und übernahm den Bauernhof Nr. 5, den die Familie heute noch hat. Anna Catharina Kummrow wurde die Gattin des Bauern Martin Pessmer, während die Jüngste, Henriette Regine, den hiesigen Bauern Peter Schwertfeger heiratete. Der älteste Sohn Friedrich Kummrow wurde des Vaters Nachfolger auf dem Hof Nr. 6 und holte sich die Frau Catharina Sophia Schleich aus Bogentin, einem Nachbardorfe. Peter Kummrow II erreichte ein Alter von 78 Jahren, er starb am 21. Januar 1842. Seine Witwe Dorothea, geb. Vahl, zog nun zu ihren Verwandten nach Bartin zurück und starb dort am 20. Mai 1849. Über die Kinder des Peter Kummrow II siehe Stammtafel I, Seite 18, dieser Chronik.

Kapitel III
Christian Kummrow (1803 bis 1893)

Christian Kummrow ist als siebentes Kind seiner Eltern am 7. November 1803 in Zwielipp geboren (worden). Bis zu seinem 30. Lebensjahr half er seinem Vater in der Landwirtschaft und begleitete denselben, wie oben gezeigt, auf dessen weiten Reisen durch unsere Heimatprovinz und darüber hinaus. Er war von sehr großer und kräftiger Körpergestalt, hatte blondes Haar und graublaue Augen. Der Nachbar seines Vaters auf Hof Nr. 5, der Bauer Christian Rackow, wirtschaftete nicht gut. Deshalb mußte sich dessen Tochter Dorothea Sophie Rackow im Alter von 14 Jahren mit unserem Christian Kummrow verheiraten, damit der Hof einen guten Wirt bekäme. Unser Christian rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen vollauf. Er war einer der fleißigsten Wirte unseres Dorfes, seine Äcker und Wiesen die bestbestellten und seine Viehzucht die rentabelste. Er hatte aber auch eine gute Zeit, die gesegnetste der Landwirtschaft. Durch die neuen Verkehrswege, Chausseen und Eisenbahnen, hoben sich Handel und Verkehr in vorhin nie gekannter Weise. Damals war wirklich für den Bauern etwas zu erwerben. Durch gute Ernten und hohe Kornpreise. Zu Zeit des Krimkrieges 1854 und später erzielten die Landleute enorme Einnahmen. Nach diesen Zeiten, wo die Erträge hoch und die Löhne niedrig waren, sehnen sich noch heute die Bauern. Zudem kannte man damals keinen Luxus. Da war kein Sofa und kein feiner Plüschwagen, kein Pelz und warme Filzschuhe. Meistens trug man nur selbstgewebte, derbe Kleider. Da war die Regel "Soviel wie möglich einnehmen, sowenig wie möglich ausgeben". Die hohen Einnahmen spornten zu neuer Tätigkeit an, namentlich als durch die Gemeindeheitsteilung die lästigen Hemmnisse gefallen waren. Der Boden wurde besser bestellt, bessere Pflüge, Eggen und landwirtschaftliche Maschinen (Rofswerk, Dreschkasten) wurden gekauft, größere, geräumigere Häuser (und) Scheunen errichtet, so daß (es) eine Zeit des Verjüngens der Gebäude unseres Dorfes war. Auch das alte Kummrowsche Rauchhaus, welches mit dem Giebel nach dem Hofe zeigte, wurde 1855 abgebrochen und ein neues gebaut, welches quer zum Hofraum steht. Treu half unserem Christian in seinem Hauswesen die körperlich sehr kräftige und derbe Gattin. Sie beschenkte den Ehegemahl mit folgenden elf Kindern:

1. Karoline Wilhelmine Kummrow, geb. 28. Juni 1834, getauft 29. Juni 1834.
2. August Wilhelm Kummrow, geb. 21. August 1836, getauft 28. August 1836.
3. Heinrich Ludwig Kummrow, geb. 9. März 1839, getauft 10. März 1839.
4. Friedericke Albertine Kummrow, geb. 6. Oktober 1841, getauft 17. Oktober 1841.
5. Marie Emilie Kummrow, geb. 8. Mai 1844, getauft 11. Mai 1844.
6. Friedrich Ferdinand Kummrow, geb. 19. Oktober 1846, gestorben 10. Dezember 1846.
7. Henriette Emilie Kummrow, geb. 26. Juni 1850 und ihre Zwillingsschwester
8. Berta Elwine Justine Kummrow, beide getauft am 30. Juni 1850.
9. Albert Hermann Kummrow, geb. 24. Januar 1853, getauft 30. Januar 1853.
10. Hermann Ferdinand Kummrow, geb. 19. September 1855, getauft 23. September 1855.
11. Elwine Auguste Amalie Kummrow, geb. 5. April 1861, getauft 14. April 1861.

Von diesen Kindern starb nur eins im jugendlichen Alter. Alle anderen waren tüchtige, begabte und fleißige Schüler und Schülerinnen und wurden zur Freude der Eltern brave Menschen. Einer unter ihnen besuchte das Gymnasium in Kolberg, studierte in Tübingen Philosophie und Philologie (und) machte das Doktorexamen, (war) Oberlehrer in Kulm und später Professor in Tilsit. Die Frau wohnte später in Berlin. Christian Kummrow war auch im Dorfe Zwielipp selbst eine geachtete Persönlichkeit. Auch ihm wurde das Schulzenamt übertragen. Dann wurde er zum Kirchenältesten gewählt und endlich von der Königl(ichen) Regierung zum Kirchenpatron ernannt. Alle seine Ämter hat er mit Gewissenhaftigkeit und Treue verwaltet. Mittlerweile wuchsen die Kinder heran, sie waren den Eltern tüchtige Gehilfen im Haus und (auf dem) Felde, bis sie endlich nach und nach das Elternhaus verließen. Die älteste Tochter Karoline heiratete (am) 18. November 1853 den Tischler und Büdner August Kummrow (siehe Stammtafel II 1) und blieb wohnhaft im Dorfe. Die anderen zogen allmählich als Bauersfrauen in die Dörfer der Kolberger Gegend: nach Neu Tramm, Peterfitz, Baldikow und Simötzel. Der zweite Sohn, Heinrich Kummrow, ehelichte seine Cousine und übernahm deren vererbten Bauernhof in Schützow, Parochie Alt-Marrin. Albert Kummrow wurde Bauer in Simötzel. Er ist aber nicht alt geworden und dort plötzlich verstorben. Er hat zwei Kinder hinterlassen. Die Ehen der Söhne und Töchter unserer Christianschen Eheleute waren sehr kinderreich, so daß, je älter unser Christian wurde, er eine große Anzahl Enkel und Enkelinnen heranblühen sah. Am 1. November 1871 übergab er seinem ältesten Sohne August Kummrow den Hof und zog aufs Altenteil. Sein Körper war noch sehr rüstig und sein Geist noch nicht erlahmt, so daß er oft noch mit angreifen konnte, wenn die Arbeit drängte. So konnte er mit seiner Eheliebsten das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Beide waren aber sehr bescheidene Leute und so ließen sie diesen Tag in aller Stille vorübergehen. Während Christian Kummrow in seinen besten Mannesjahren oft an Kopfschmerzen gelitten hatte, wie er mir öfter selbst erzählt hatte, so war er als Greis sehr gesund und ohne körperliche Leiden, wie es sonst das Alter so mit sich bringt. Auch seine Dorothea Sophie war sehr gesund und wohlauf und stets emsig tätig, indem sie noch auf dem Altenteil eine kleine Viehwirtschaft betrieb.

So konnten auch die beiden das sonst so seltene Fest der diamantenen Hochzeit begehen. Davon berichtet die Zwielipper Schulchronik, I. Teil, Seite 107, folgendes: Zwielipp, den 4. Januar 1893. Heute fand in Zwielipp eine seltene Feier (Hochzeit) statt. Der Altsitzer und Kirchenälteste Christian Kummrow beging mit seiner Ehefrau das Fest der diamantenen Hochzeit. Der Ehemann steht im 90., die Ehefrau im 75. Lebensjahre. Fast sämtliche Kinder hatten sich im Hause der Eltern eingefunden, die Zahl der Nachkommen an Kindern, Enkeln und Urenkeln beläuft sich fast auf 100. Vormittags um elf Uhr begab es sich, da bei dem hohen Alter der Eheleute und der herrschenden Kälte von einer Feier in der Kirche Abstand genommen werden mußte. Der Ortsgeistliche und (der) Lehrer (kamen) mit dem Gemeindekirchenrat, dessen Mitglied der Jubilar schon seit Jahrzehnten ist, in das Haus des Jubelpaares. Nach dem Gesange "Lobe den Herrn" hielt der Geistliche eine Ansprache 1. Sam. 7 v. 12 "Bis hierher hat der Herr geholfen!" Sodann überreichte er die von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille nebst einem Schreiben aus dem Zivilkabinett. Der Kirchenälteste, Bauernhofsbesitzer Hermann Baller aus Zwielipp, gratulierte im Namen des Kirchenrats. Der Ehemann überlebte aber nicht lange dieses Fest. Am 21. Januar 1893 ist er morgens sanft entschlafen. Am Mittwoch, den 25. Januar, wurde er beerdigt. Seine Ehehälfte überlebte ihn noch über vier Jahre, bis auch sie von hinnen schied am 19. März 1897. Beider Leben war voll Mühe und Arbeit und dazu köstlich gewesen, und sie hatten nicht umsonst gearbeitet. Alle ihre Kinder befanden sich in guten Verhältnissen."

Zwielipp, 1.7..1909, gez. Ferdinand Asmus, Lehrer.
Berlin 41, in 1967, abgeschrieben von Willi Kummrow
Halle (Westf.), 25. April 1997, abgeschrieben und redaktionell überarbeitet von Joachim Kummrow.

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