Neues aus Dezember 2001

Johannes Kummrows "Vergilbte Blätter"
in Antiquariat wieder aufgetaucht

Wappen des Kreises Cammin

Die beiden im äußersten Nordosten des Kreises Cammin (links das Wappen) gelegenen Orte Baldebus und Poberow gehören dem Kirchspiel Hoff ebenso an wie die Dörfer Horst, Rewahl, Schleffin, Ninikow und Pustchow im Kreis Greifenberg gelegen. Mittelpunkt des Kirchspiels ist die am Steilufer der Ostsee stehende Ruine der „alten“ Kirche in Hoff. Wann genau diese Kirche errichtet wurde, ist nicht mehr feststellbar. Doch: Nach der Reformation bildete sich hier bereits um 1525 eine der ersten lutherischen Gemeinden in Pommern. Zur etwa gleichen Zeit errichtete Ewald von Kleist in Poberow eine Kapelle, die bis 1750 gegen Entrichtung von 9 Gulden vom Pastor in Hoff bedient wurde.

Ansicht von Kummrows Vergilbte Blätter aus 1924

Der am längsten in Hoff tätige Pastor war Johannes Kummrow, der im August 1889 das Ordinariat verliehen bekam und 48 Jahre die Pfarre verwaltete. Neben seinen großen Verdiensten für die Missionstätigkeit in der Synode Cammin hat er mit der 1924 erschienenen Chronik „Vergilbte Blätter - aus der Kirchen- und Pfarrchronik einer mit dem Meer ringenden Gemeinde.“ (Foto links das Titelbild der 4. Auflage von 1924) seiner Pfarrei ein bleibendes Denkmal gesetzt. Das Büchlein erschien erstmalig 1914 und in 4. Auflage 1924 im Stettiner Verlag Leon Sauniers Buchhandlung. Jetzt ist es in einem süddeutschen Antiquariat wieder aufgetaucht. Vor diesem Hintergrund schrieb Johannes Kummrow, dessen Verwandschaftsgrad zum Zwilipper Zweig bisher nicht festgestellt werden konnte, seine pommersche Chronik: "Aber wie die gelben Blätter draußen, die der Herbststurm verweht, Zeugen des Lebens sind, das in der Natur pulsierte, so mögen auch diese Zeugen längst vergangener Tage zu uns reden von dem Leben unserer Väter vor uns und mit der Kenntnis der Vergangenheit die Liebe zur Gegenwart in uns stärken und festigen... Auf die im Herbstwind gefallenen Blätter folgen neue und schmücken den Baum mit ihrem prächtigen Grün..." Kummrows Arbeit ist nicht zuletzt deswegen lesenswert, weil - zumindest die 4. überarbeitete Auflage - unter den Eindrücken des I. Weltkriegs entstanden ist.

Johannes Kummrow dokumentiert in seinen vergilbten Blättern das Schicksal von Kirche und Gemeinde: Die Spitze des 1650 errichteten Holzturm zerstörte 1760 ein Blitzschlag und 1818 musste er ganz abgerissen werden. Aber bereits zuvor näherte sich die See von Jahr zu Jahr dem Gotteshaus. So ordneten Domkapitel und Landrat 1771 an, den Kirchhof strandwärts um die Hälfte abzubrechen und weitere Bestattungen an einem neuen Platz vorzunehmen. Dies geschah aber erst 40 Jahre später.

Kummrow berichtet weiter, dass „das Meer nicht nur den Toten keine Ruhe im Grabe gönnte und die aus dem bröckelnden Ufer herabgefallenen Gebeine im nassen Wogengrab ruhelos hin und her warf“, sondern den Lebenden auch den ungestörten Besitz des Gotteshauses streitig machte. 1772 tauchten erste Sicherheitsbedenken auf und Pastor Bahnemann und die Gemeindevorsteher richteten ein Schreiben an Friedrich den Großen. Sie berichten darin, dass die Kirche nicht mehr zehn Schritte vom Ufer entfernt sei und sie „also gezwungen werden, solche in Kurtzem abbrechen und an einem anderen Orte wieder aufbauen zu lassen, ob es gleich eins von den ältesten und besten Gebäuden in Pommern ist.“ Ihre Bitte um eine landesweite Kollekte lehnte der König jedoch ab.

Die Kirche in Hoff, gezeichnet um 1830

Es vergingen noch 102 Jahre bis die Kirche (rechts eine Zeichnung der Kirche um 1830) ihr Schicksal ereilte. Große Stürme in den Jahren 1843, 1853 und 1855 führten dazu, dass der Abstand zwischen dem Abgrund des über 20 Meter hohen Steilufers und der Kirche nur noch wenige Fuß betrug. Der im folgenden Jahr herbeigerufene Oberregierungsrat Heegewaldt konstatierte eine Summe von 22000 Taler für einen steinernen Schutzwall und befahl dem Greifenberger Landrat, die Kirche im kommenden Jahr zu schließen. Der ortsansässige Rittergutsbesitzer begann jedoch entgegen der behördlichen Meinung mit der Anlegung eines Faschinenwerkes, das die Kirche sichern sollte. Lange Streitereien zwischen der Gutsherrschaft, dem Gemeindevorstand und dem Pfarrer führten zu keinem Ergebnis und erst im August 1874 hielt Pastor Mielke den letzten Gottesdienst. Der Dachstuhl wurde abgenommen, das Mauerwerk versteigert. Die Kirchenausstattung gelangte in das Camminer Dommuseum (noch heute können wir dort ein prachtvolles spätmittelalterliches Triptychon bewundern) und einige Stücke in das Kunstgewerbe-Museum Berlin. 

Die Ruine der Kirche von Hoff 1999

1900 ereignete sich der erste Absturz an der Nordwestecke, 1901 folgte die gesamte Nordwand. Doch das oft beschriene Ende der Hoffer Kirche ist bis zum heutigen Tage nicht gekommen. Noch im Spätsommer 1999, so berichtet Hans-Dieter Wallschläger in den "Camminer Heimatgrüßen" vom Februar 2000 - reckten sich stolz 3 Bögen der Südseite stolz gen Himmel (siehe Foto links) und im Gegensatz zum Frühjahr des Vorjahres waren auch am Strand unterhalb der Kirche keine Backsteine zu finden. Ich will nicht verhehlen, dass ich damals ein kleines Stück der heimatlichen Kirche zur Erinnerung mit nach Berlin nahm. So hat die Ruine der „alten“ Kirche nicht nur ein neues Jahrhundert, sondern inzwischen sogar ein neues Jahrtausend begrüßt.

Doch nun zur zweiten, der „neuen“ Kirche von Hoff. Schon 1880 konnte sie hinter dem Park des Gutshauses geweiht werden. Doch sie traf bereits nach wenigen Jahrzehnten ein Schicksalsschlag. Als im März Hoff für viele Flüchtlinge und Soldaten zur letzten Bastion vor dem rettenden Durchbruch zur Dievenow wurde, zerstörten Artilleriegeschosse auch dieses Kirchengebäude. Bis vor zwei Jahren konnte der Besucher nun zwei Kirchenruinen in Hoff vorfinden. Dazu Wallschläger: "Die Zeit bleibt jedoch nicht stehen; die „alte“ Kirche wehrt sich gegen ihren endgültigen Zerfall und die neue wird nun wieder aufgebaut. So wird es in Hoff bald keine Kirchenruinen mir geben, oder sollte ich mich, wie viele meiner Vorgänger auch, getäuscht haben....." 

Bearbeitet von Joachim Kummrow, Dezember 2001

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